Ein besonderer Pionierbaum, der Trübsal und Gedankensumpf in Zuversicht und Freude verwandeln mag.

Ein besonderer Pionierbaum, der Trübsal und Gedankensumpf in Zuversicht und Freude verwandeln mag.

Dort, wo selbst den großen und mächtigen Bäumen die Wurzeln in der Staunässe verfaulen, wird die Erle für die ganze Waldfamilie besonders wertvoll. Sie kann im Sumpf ansiedeln und stehendes Wasser wegpumpen, bis diese Böden so trocken werden, dass andere Baumarten nachsiedeln können. Als Pionierbaum besiedelt sie aber auch andere brachliegende Böden sehr schnell und weicht wieder zurück, sobald größere und dauerhafte Baumarten unter ihrem Schutzschirm angewachsen sind. Wie bei allen Pionierbäumen ist ihre Entwicklungsdynamik von Leichtigkeit, raschem Kommen und Gehen geprägt.

Erlenholz ist das „Antidepressivum“ unter den Hölzern. Wie der Baum das stehende Wasser aus dem Sumpf pumpt, so wirkt das orangerote Holz auf unsere Seele. Die Erle galt immer schon als besonders mystischer Baum, der ins Grenzgebiet vom festen Boden in das Wasser, ins Moor hineinwächst. Diese Übergangszonen unserer Seele werden in gleicher Weise vom Erlenholz durchwurzelt und für gesunde Weiterentwicklung fruchtbar gemacht.
Lebenskräfte und Zuversicht zu mobilisieren gelingt daher mit Erlenholz besonders gut. Sei es als Fußboden, Möbelstück oder im Winter am besonderen Kaminfeuer mit Erlenholz.

Da Erlen im mystischen Zwischenbereich von Land und Wasser wachsen, galten sie früher als unnahbare Geheimnisträger. Sie wurden mit den „kleinen Leuten“ (Naturwesen) oder unheimlichen Wesen aus dem Moor in Verbindung gebracht. Bei den Kelten waren sie Bran gewidmet, dem Schutzgott aller Reisenden, Geschichtenerzähler und Sänger. Schamanen fertigten für ihre Reisen in die Anderswelt Amulette aus Erlenholz an, welche sie beschützen und ihre geistigen Fähigkeiten anregen sollten. Wird eine Erle gefällt, färbt sich die Schnittstelle intensiv orangerot.

Das sanft orangefarbene Holz ist eher weich und im getrockneten Zustand nicht witterungsbeständig, unter Wasser hingegen besonders dauerhaft. Lange Jahre wurde Erlenholz vor allem als Brennmittel verwendet, bis es vor ca. zwei Jahrzehnten als Material für edle Designmöbel wiederentdeckt wurde.
In der Volksheilkunde gelten Blätter und Rinde als fiebersenkend. Die enthaltenen Gerbstoffe wirken zusammenziehend und desinfizierend. Eine Abkochung der Rinde wird bei Halsbeschwerden verwendet, der Tee aus den Blättern bei Mund- und Zahnfleischentzündungen sowie als Waschung bei Hautausschlägen. In der Homöopathie kommt Erle bei Fieber, Entzündungen und Hautproblemen zum Einsatz. Die jungen Blätter sind essbar, doch etwas bitter.

Die Rinde von dünneren Zweigen vorsichtig abschaben und trocknen.
Als Gurgellösung fünf Gramm Rinde in 100 Milliliter Wasser kochen (15 Minuten)
Die Abkochung kann auch für Waschungen und Mundspülungen zur Stärkung des Zahnfleisches verwendet werden.